Ein goldenes Jahrzehnt

 

Ein neues goldenes Jahrzehnt hat begonnen. Aus dem Blickwinkel der Industrie und Wirtschaft mehren sich die Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung - was sollte man auch anderes erwarten?  Aus Anlegersicht bleibt die Lage unübersichtlich und äußerst unsicher.

Die Überschwemmung der Märkte mit frisch gedrucktem Geld wird Folgen haben, die von den Finanzexperten noch unterschiedlich diskutiert werden. Wie wird sich der Arbeitsmarkt und die Wirtschaftskraft nach dem Auslaufen von staatlichen Investitions- und Subventionsprogrammen entwickeln? 
Auch wenn die Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise größer sind als das Platzen der Dotcom-Blase im März 2000, so ist sie doch mit der zehn Jahre zurückliegenden Krise vergleichbar. Damals ging ein Einbruch des Bruttosozialprodukts mit einer zunehmenden Arbeitslosigkeit einher.
 Obwohl die Inflationsrate im vergangenen Jahrzehnt vier Prozent nie überschritten hatte, nahm der Goldpreis seit dem Jahr 2000 kontinuierlich zu. Ausgehend von einem Stand unter 300 US-$ stieg er, abgesehen von kleinen kurzeitigen Rücksetzern, kontinuierlich an bis auf über 1100 US-$ zu Beginn des Jahres 2010. Nach dem Einbruch der Aktienmärkte zogen es viele Anleger vor, in Gold und Silber zu investieren. Zahlreiche Verbraucher, die bis dahin noch nie in Edelmetalle investiert hatten, kauften Goldmünzen und Goldbarren, um sich gegen die Unsicherheit der Finanz- und Aktienmarktspekulationen abzusichern. Eine Vervierfachung des Goldpreises innerhalb eines Jahrzehnts hatte es zuvor nur selten gegeben. Und die Anleger, die es vorzogen, in Gold zu investieren und sich Krügerrand und andere Goldmünzen in ihren Tresor legten, behielten recht. Wer in Zertifikate, die damals noch als sicher galten, investiert hatte, verlor sein Geld, während der Goldpreis nach wie vor sicher über der 1000-Dollar-Marke liegt.

Die Entwicklung hat gezeigt, das Gold trotz aller Vorbehalte von den Anlegern weltweit als Krisenschutz angesehen wird. Kritiker weisen darauf hin, dass der Preis pro Unze Gold nominell ein Allzeithoch erreicht habe und die Gefahr bestehe, dass sich die Entwicklung auch wieder in die andere Richtung wenden könne. Eine solche Entwicklung ist jedoch aus Sicht der meisten Experten nicht in Sicht. Der aktuelle irrationale Anstieg der Aktienindizes deutet auf eine erneute Spekulationsblase, ausgelöst durch billiges Geld, hin. Die Zahlungsunfähigkeit des als unerschütterlich reich geltenden Wüstenstaats Dubai sowie des EU-Landes Griechenland zeigen, das die Folgen der Finanzkrise längst noch nicht ausgestanden sind und mit weiteren negativen Überraschungen zu rechnen ist.  Das praktisch zahlungsunfähige im Euroraum liegende Griechenland belastet schon heute den Kurs des Euro und eine Sanierung des griechischen Haushalts zeichnet sich nicht ab. Nicht zuletzt durch die schnellen und großzügigen Finanzhilfen während der Finanzkrise haben sich die Haushalte der Industriestaaten nochmals weiter verschuldet. Die meisten Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass ein Zurückzahlen der Schuldenberge nur über eine mehrjährige inflationäre Phase erreicht werden kann. Das ist gleichbedeutend mit dem Aufzehren der Sparbeträge der Anleger. Ein Anstieg der Guthabenzinsen ist als Ausgleich der Inflationstendenzen in absehbarer Zeit auch nicht zu erwarten, denn die Wirtschaft leidet nach wie vor unter der Kreditunwilligkeit der Finanzinstitute.

Somit deuten alle Anzeichen darauf hin, dass auch im kommenden Jahrzehnt kein nachhaltiger wirtschaftlicher Aufschwung in Europa oder den Vereinigten Staaten zu erwarten ist. Voraussichtlich wird die kommenden Dekade zum Abbau der Staatsverschuldung durch eine mehrjährige Inflationsrate von fünf bis acht Prozent genutzt werden. Alle Indikatoren, die Staatsverschuldung, die unsichere wirtschaftliche Entwicklung, drohende Zahlungsunfähigkeit sowie eine Inflation waren in der Vergangenheit immer schon für sich allein ein Anreiz für die Anleger, ihr Vermögen in Gold zu investieren und Goldmünzen oder Goldbarren materiell zu erwerben. Auch wenn nicht alle bedrohlichen Entwicklungen gleichzeitig eintreffen sollten, so ist davon auszugehen, dass der Preis pro Unze Gold weiter steigen wird. Denn unter Berücksichtigung der Inflationsrate ist eine Unze Gold immer noch preisgünstiger als während des Höchststandes Ende der Siebziger Jahre. Vieles spricht dafür, dass das kommende Jahrzehnt ein einmalig goldenes Jahrzehnt wird.

 

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